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Theater | Goodbye Europe II

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verläuft immer noch ein tiefer Graben quer durch Europa. Ausgehend vom 7. Oktober 1989 wird die verschüttet gebliebene Vergangenheit Europas zutage gefördert. Palast der Republik. Erich Honecker, Wächter des Systems, feiert noch immer eisern den 40. Jahrestag der DDR. Der Saal ist leer. Stimmung will sich nicht so recht einstellen. Währenddessen warten im unterirdischen Bahnhof drei Verlorene auf längst schon abgefahrene Züge. Dort stoßen sie auf ihre eigene verschüttet gebliebene Vergangenheit. An diesem Ort wo Schreddermaschinen unaufhörlich die Spuren europäischer Geschichte vertilgen treffen sie alle aufeinander: Der Braunkohle‐Bergmann Adolf Hennecke, „Aktivist der ersten Stunde“, bohrt in der Wunde. Die Loreley in ihrem deutschen Hochmut, verschluckt sich. Ein Soldat übergibt sich im Schnellfeuer. Der enthauptete Thomas More diskutiert mit Heiner Müller in der Tiefe des europäischen Grabens. Eine groteske Feierrunde führt Tote und Lebende an einen Tisch. Bringt Licht ins Vergessen. Deckt auf was vergraben liegt. Schicht um Schicht wird die unverarbeitete Vergangenheit zu Tage gefördert, um in Zukunft an eine Veränderbarkeit der Welt glauben zu können.

JEF initiierte bereits zum zweiten Mal eine Artfusion-Theaterkooperation mit Vorstellungen im Theater Nestroyhof Hamakom, diesmal mit einem Stück von Regisseurin Bärbel Strehlau unter dem Titel „Unter Tage – Goodbye Europe II“. Das Stück suchte in Europas unverheilten Wunden aus der Geschichte nach verschwundenen Utopien. Gleichzeitig beleuchtete Regisseurin Bärbel Strehlau in ihrem Stück die aktuellen Geschehnisse Europas und seiner Außenpolitik. Die Vorführungen gingen nahtlos in Publikumsdiskussionen mit prominenten AutorInnen, JournalistInnen und PolitikerInnen über: Jeden Abend wurde mit ihnen die Lage Europas diskutiert. Unter anderen mit Katrin Wladasch (Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte), Susanne Scholl (ORF-Auslandskorrespondentin), André Kühnlenz (Wirtschaftsblatt-Redakteur), John Megill (FM4 Moderator & Musiker), Herbert Lackner (Profil-Chefredakteur), Barbara Tóth (Falter-Ressortleiterin Politik), Friedhelm Frischenschlager (ehem. Verteidigungsminister), Robert Misik (Journalist & Autor), Heinrich Neisser (Vorsitzender der Europäischen Bewegung Österreich) und Fabian Eder (Filmemacher und Autor). Jeden Abend öffneten zwei prominente Gäste gemeinsam mit den Schauspielern den Raum für eine Diskussion, um Fragen nach den gesellschaftlichen Ideen und Werten für eine Zukunft in der Europäischen Union auf den Grund zu gehen. “Unter Tage” ist Teil eines theatralen Tryptichons, das den Diskurs zur europäischen Krise anhand zweier historischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts weiterführt.

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