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The female face of refugees“ | Frauen auf der Flucht

Julia Rainer und Sophie Hammer | „Aber es kommen ja nur junge Männer nach Österreich.“ Das ist die typische Wahrnehmung in Österreich von geflüchteten Menschen. Junge Männer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak stehen oft medial im Zentrum der Flüchtlingsdebatte. Dabei sind sie nur Teil eines größeren Bildes. Laut UNHCR wurde ein Drittel der Asylanträge 2015 von Frauen gestellt, diese machen hierzulande rund 30% aus. Betrachtet man alle Flüchtlinge weltweit liegt der Frauenanteil sogar bei über 50%.

Die Tatsache, dass trotzdem ein überproportionaler Anteil der Asylanträge von Männern gestellt wird, welche in der emotional aufgeladenen Debatte oft als Bedrohung charakterisiert werden, stößt bei einigen Menschen auf Unverständnis. Dabei hat dies natürlich auch seine Gründe: Männer werden oft vorausgeschickt, um die Fluchtroute, die von lebensgefährlichen Hindernissen geprägt ist, zu überwinden und später durch den Familiennachzug (welcher durch die Asylnovelle 2016 erheblich erschwert wurde) ihre Familien nachzuholen. Außerdem sind Frauen auf der Flucht oft mit sexueller Ausbeutung konfrontiert. Als Betroffene der Flüchtlingskrise werden sie jedoch in der Öffentlichkeit von EuropäerInnen nicht stark wahrgenommen.

Eine Studie aus dem Libanon, die sich mit dem Thema „Frauen auf der Flucht“ auseinandersetzt, hat herausgefunden, dass es unter geflüchteten Menschen oft zu einem Tausch der bisherigen Genderrollen kommt. Im Libanon ist es beispielsweise für geflüchtete Frauen leichter eine Arbeit zu finden als für Männer. Das führt dazu, dass Frauen neben der Reproduktions- und Betreuungsarbeit auch noch die Rolle der Alleinverdienerinnen einnehmen müssen. Bei diesen Tätigkeiten erfahren Frauen oft Ausbeutung und Diskriminierung. Sie geben also keine Aufgaben ab oder werden durch die neue Situation ermächtigt, sondern sind gezwungen, für wenig Lohn zu arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können und sich gleichzeitig um die Arbeiten im Haushalt zu kümmern. Dies hat allgemein zu einem Anstieg häuslicher Gewalt geführt, da die Männer, die oft nicht mit der neuen Situation zurecht kommen, in eine Identitätskrise verfallen und sich durch die erzwungene Arbeitslosigkeit nutzlos fühlten. Ihre Frustration entlädt sich schließlich in einer erhöhten Gewaltbereitschaft, die sich vor allem gegen die Frauen als Leidtragende richtet, was die schwierige Situation noch verschlimmert. In manchen Familien kommen die Arbeiten im Haushalt, die früher Frauen übernommen haben, jetzt den älteren Töchtern zu, die dadurch auf Bildung verzichten müssen. Generell haben Frauen es aber viel schwerer Zugang zu Bildung zu erhalten. Vor allem im Bereich der Familienplanung gibt es außerdem enorme Informationsdefizite, die aufgelöst werden müssten.

Frauen auf der Flucht sind vielerlei Gefahren ausgesetzt. Viele Frauen fliehen schon aus geschlechterspezifischen Fluchtgründen, da Vergewaltigungen oft als Kriegswaffe eingesetzt werden. In der Genfer Flüchtlingskonvention findet sich aber kein spezifischer Verweis auf die erschwerte Fluchtsituation von Frauen, welche besonderen Schutz verlangt, der rechtlich verankert werden sollte. Außerdem gibt es kaum Institutionen und staatliche Strukturen um diese spezifisch zu schützen. Die wenigen Programme, die sich in der Flüchtlingskrise wirklich auf Frauen spezialisieren sind chronisch unterfinanziert und als erstes von Einsparungsmaßnahmen betroffen. Maßnahmen zur Gewaltprävention sind äußerst mangelhaft, müssten jedoch besonders in den Flüchtlingslagern der syrischen Nachbarländer gewährleistet werden. Auch auf der Flucht ist Gewalt für Frauen eine ständige Bedrohung, die aber kaum angezeigt wird, um so rasch wie möglich in den sicheren Zielstaat zu gelangen.

Eine effiziente Lösung für dieses Problem wäre beispielsweise die Schaffung legaler Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge. Diese gibt es eigentlich bereits in Form von Umsiedlungsprogrammen des UNHCR, in deren Rahmen besonders gefährdete Menschen (vor allem Frauen, Kinder, Familie, chronisch Kranke, Menschen mit Beeinträchtigungen) von der Organisation auf sicherem Weg in Drittstaaten gebracht werden. Zu diesen Programmen verpflichten sich Staaten aber kaum. Hier liegt ein schwerwiegendes Problem, dessen wir uns bewusst sein müssen. Europa, als Kontinent der Menschenrechte sollte dies ernst nehmen und über nachhaltige Lösungswege diskutieren und diese so schnell wie möglich umsetzen. Geflüchtete Frauen sind besonderen Risiken ausgesetzt und müssen in ihren Rechten geschützt werden, diese einfordern können und ermächtigt werden, diese Verantwortung müssen auch wir als europäische Gesellschaft übernehmen.

Besonders in die Konfliktlösung und -vermeidung müssen Frauen zudem einbezogen werden, hier ist noch viel Bewusstseinsbildung notwendig. Sie sind Schlüsselfiguren für die Zukunft und spielen auch im Kampf gegen die Radikalisierung junger Menschen eine entscheidende Rolle. Frauen sollten deshalb nicht in eine passive Opferrolle gedrängt werden, sondern ihr Potential erkannt werden, denn sie sind ein wichtiger Teil der Konfliktlösung.

Die beiden Bloggerinnen haben eine Veranstaltung zum Thema „The female face of refugees“ im Bruno Kreisky Forum für Internationalen Dialog besucht.

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